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Risikomanagement ist Geschäftsführer-Pflicht

Risikomanagement ist Geschäftsführer-Pflicht

Autorin: Prof. Dr. Claudia Ossola-Haring, Ihringen/Calw

Zur ordnungsgemäßen Geschäftsführung gehört insbesondere, dass der Geschäftsführer keine risikoreichen Geschäfte eingeht. Das umfasst natürlich nicht das „normale“ Risiko. Erst wenn die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten werden, handelt der Geschäftsführer pflichtwidrig und haftet für den entstehenden Schaden.

Was als „normales“ Risiko gilt, hängt vom Geschäftsge­biet ab, auf dem die GmbH tätig ist. Was bei dem einen Geschäftsgegenstand als „hochrisikoreiches“ Geschäft gelten kann, kann bei einem anderen Geschäftsgegen­stand zum „normalen“ Geschäft gehören.

Des Weiteren kommt es bei der Beurteilung der Frage, ob ein Risikogeschäft vorliegt, entscheidend darauf an, wie vorgegangen wird. Wie also wurde das Geschäft vorbereitet? Wurde umfassend recherchiert? Wurden alle relevanten zur Verfügung stehenden Quellen genutzt? Wurden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um das Risiko überschaubar zu halten oder zu mindern?

Wie sollte der Geschäftsführer das Risikomanagement aufziehen?

Jeder Geschäftsführer ist gut beraten, hier intensiv und fortlaufend zu dokumentieren, was er wie, warum und wieso getan hat. Dabei sollte er auch die Quellen benennen, die er genutzt hat. Nur so kann er belegen, dass ihn keine Schuld daran trifft, dass sich das dem Geschäft innewohnende Risiko verwirklicht hat.

Wer zu den „vorsichtigen“ Naturen gehört, sollte sich bei potenziellen Hochrisikogeschäften die Genehmi­gung im Voraus oder zumindest die Zustimmung der Gesellschafterversammlung einholen, selbst wenn er es nach seinem Anstellungsvertrag nicht tun müsste.

Ob ein Geschäft als Hochrisikogeschäft anzusehen ist, hängt auch davon ab, welche Schäden die Gesellschaft erleidet, wenn sich das Risiko verwirklicht und wie sich diese auf die Gesellschaft und deren Marktstellung, ins­besondere auf deren Überlebensfähigkeit auswirken.

Sollte die GmbH in ihrer Existenz gefährdet sein, wenn sich das Risiko verwirklicht, wird geradezu automatisch auch von einer Schuld des Geschäftsführers ausgegan­gen. Denn zu den Aufgaben eines Geschäftsführers gehört es unbedingt, die GmbH zu erhalten.

Häufiger Grund für eine Krisenentwicklung in der GmbH ist eine mangelhafte Risikoeinschätzung. Für einen GmbH-Geschäftsführer besteht hier ein kon­kreter Handlungsbedarf, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen will, zu haften.

Grundregeln und Pflichten beim Risikomanagement

Ein Risikomanagement gehört dazu -nicht nur wegen des „gesunden Menschenverstandes“, sondern vor allem auch wegen der hier analogen Anwendung des Aktiengesetzes. Für den Vorstand einer Aktiengesell­schaft hat der Gesetzgeber in § 91 Abs. 2 AktG ein Risikomanagement zur Pflicht gemacht.

Da es heute ganz einhelliger Auffassung entspricht, dass § 91 Abs. 2 AktG auch auf das GmbH-Recht an­wendbar ist, kann der von Rechtsprechung und Lite­ratur für den Vorstand entwickelte Pflichtenkatalog auf den GmbH-Geschäftsführer übertragen werden, sofern dem nicht GmbH-spezifisches Recht entgegen steht.

Zu den allgemeinen Pflichten als GmbH-Geschäfts­führer gehört der Aufbau einer rechtmäßigen und effizienten internen Organisation der Gesellschaft, die ihm „aus dem Stand heraus“ eine Übersicht über die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Gesell­schaft ermöglicht. Er muss sich jederzeit ein genaues Bild von der Lage des Unternehmens machen können, insbesondere muss er die Umsatzentwicklung und die Liquiditätslage beurteilen können.

Zu diesem allgemeinen Pflichtenkatalog gehört es auch, dass ein Geschäftsführer eine herannahende Krise des Unternehmens erkennen kann: Die ständige vorausschauende Kontrolle der Solvenz der GmbH ist erforderlich.

Sobald eine Krise erkannt wurde, muss rechtzeitig reagiert und müssen alle notwendigen Maßnahmen zur Unternehmensrettung ergriffen werden. Das setzt wiederum voraus, dass beispielsweise ein funktionsfähiges Controlling oder eine effektive interne Revision aufgebaut worden ist und laufend überwacht wird.

Es gibt keine konkreten Anforderungen, wie ein Ri­sikomanagement ausgestaltet sein muss, damit der Geschäftsleiter Haftungsrisiken für die GmbH und für sich ausschaltet. Aber es gibt gewisse Grundregeln, deren Befolgung das Haftungsrisiko zwar nicht völlig ausschließt, aber doch zumindest teilweise erheblich mildert.

Die Einrichtung eines Frühwarnsystems setzt voraus, dass der Geschäftsführer die in seiner GmbH auf­tretenden Risikobereiche überhaupt kennt. Er muss sie also benennen können, um Risikofelder für seine Gesellschaft richtig einordnen zu können.

Quelle: LEXinform aktuell 2016 – Heft 51-52 23.12.2016